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Pressespiegel

15.9.1997   Hamburger Abendblatt

576 kB Ein Öko-Bäcker mit Idealen

Hoffnungsträger im Unternehmerlager: Anfänger, Aufsteiger, Shooting Stars

17.7.1997   Hamburger Abendblatt

210 kB Salatöl als Treibstoff

Öko Bäcker will seine Brote zukünftig umweltschonender ausliefern

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Von PAUL FLÜCKIGER

Thomas Effenberger schraubt den Tank seines Mercedes 190 auf, nimmt den Deckel, streicht mit dem Zeigefinger darüber und steckt den Finger in den Mund: „Ja, das kann man essen; meiner fährt nämlich mit Salatöl", sagt er lächelnd. Der Motor springt mühelos an, läuft wie ein Diesel. Bald verbreitet sich im Wageninnern ein leichter Geruch von Sonnenblumenöl.

Bäckermeister Effenberger, Inhaber der Hamburger Vollkornbäckerei  „Brotgarten", will in absehbarer Zeit seine Backwaren, deren Zutaten aus dem ökologischen Landbau stammen, mit Firmenwagen ausfahren, die von Salatöl angetrieben werden. „Im Moment läuft noch die Versuchsphase. Wir haben einen VW-Passat für lange Strecken und den Mercedes für den Stadtverkehr im Einsatz. In der Stadt brauche ich sechs Liter Salatöl auf hundert Kilometer."

Im kommenden Frühjahr soll auch die übrige Firmen-Flotte (sieben Fahrzeuge) Salatöl-Motoren erhalten. Sie stammen vom Ingenieur Ludwig Elsbett. Der von ihm entwickelte Pflanzenöl-Motor hat einen höheren Wirkungsgrad als herkömmliche

Benzin- oder Dieselmotoren. Bei der Verbrennung entsteht nur so viel Kohlendioxid wie die Pflanze vorher durch Photosynthese aufgenommen hat. Der Motor fährt mit einem nachwachsenden Rohstoff, das Pflanzenöl muß im Unterschied zu Biodiesel aus Rapsmethylester (RME) nicht erst mit hohem Energieaufwand chemisch aufbereitet werden.

Effenberger geht noch weiter: Der Treibstoff für seine Wagen wächst südlich von Zarrentin ökologisch ohne Pestizide und Kunstdünger heran, als Raps und Sonnenblumen. Mit dem Rapsertrag eines Hektars kann der Oko-Bäcker 18 200 Kilometer im Mercedes fahren. Effenberger bezahlt dafür 80 Pfennig pro Liter -„ich will zeigen, daß es geht".

Ob der Salatöl-Einsatz überhaupt ökologisch sinnvoll ist, darüber streiten sich die Gemüter. Das Umweltbundesamt (UBA) kritisiert den erhöhten Ausstoß von Spurengasen wie Benzol und Acrolein beim Pflanzenöl-Sprit. Das größte Problem sehen die UBA-Experten allerdings beim - konventionellen -Rapsanbau selbst. Hier müsse mit erheblichen Grundwasserbelastungen durch Kunstdünger gerechnet werden. Außerdem werde Rapsöl als Treibstoff stark subventioniert. Mit dem Geld könne man woanders effektiver in den Klimaschutz investieren.

1995 wurden in Deutschland 870 000 Tonnen Rapsöl erzeugt, das zusätzliche Potential wird auf 450 000 Tonnen geschätzt. Doch selbst wenn das gesamte Potential ausgeschöpft würde könnten nur fünf Prozent des deutschen Dieselverbrauches durch Rapsöl ersetzt werden. Die UBA-Experten raten deshalb, das Öl doch lieber im Salat einzusetzen.

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Thomas Effenberger betankt seinen Mercedes mit Sonnenblumen- oder Rapsöl. Foto: SAWATZKI