Presse & News

Pressespiegel

15.9.1997   Hamburger Abendblatt

576 kB Ein Öko-Bäcker mit Idealen

Hoffnungsträger im Unternehmerlager: Anfänger, Aufsteiger, Shooting Stars

17.7.1997   Hamburger Abendblatt

210 kB Salatöl als Treibstoff

Öko Bäcker will seine Brote zukünftig umweltschonender ausliefern

4/1997   Handwerk Magazin

580 kB Die besten Mitarbeiter finden und halten

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Einerseits gibt es so viele Arbeitslose wie nie zuvor, andererseits klagen die meisten Betriebe immer noch über Fachkräftemangel. Die neue hm-Serie zeigt Ihnen in vier Folgen, wie Sie diesen Gegensatz in Ihrem Betrieb überwinden. Pünktlich zum (erhofften) Frühlingsaufschwung erfahren Sie in Folge eins, wie Sie gute Leute finden und richtig einarbeiten.

Jede Woche ein neuer Job? In der Vollkornbäckerei von Bäckermeister Thomas Effenberger in Hamburg gibt es keine Spezialisten. „Jeder kann jeden Job erfüllen", erklärt Wilhelm Numssen, angestellter Bäcker und Konditormeister. Das Aufgabengebiet wird unter den 15 Mitarbeitern jede Woche gewechselt: Wer als Teigmacher eingesetzt war, ist in der nächsten Woche Ofenbäcker, arbeitet am Fertigungstisch, kümmert sich um die Ansätze oder hilft bei Engpässen zusätzlich im Verkauf. Daß soviel Flexibilität nicht jedermanns Sache ist, versteht sich laut Numssen von selbst. Zumal in der Vollkornbäckerei Arbeiten anfallen, die es bei großen Betrieben nicht mehr gibt. Bei Effenberger muß der Teigmacher beispielsweise auch das Getreide mahlen und den Teig anschließend beurteilen, dieser Arbeitsschritt entfällt bei der Verwendung von Fertigmehl. „Da sind schon manche dran verzweifelt", weiß Numssen.

Probearbeit vereinbaren

Um herauszufinden, ob ein Mitarbeiter zum Betrieb paßt, gehen die Hamburger Vollkornbäcker deshalb ungewöhnliche Wege. Wer sich für einen Job in Effenbergers Backstube interessiert, wird nach einem ausführlichen Gespräch zu zwei oder drei Tagen Praktikum gebeten. Numssen: „Der persönliche Umgang bei der Arbeit gibt mehr Aufschluß über einen Mitarbeiter als jedes Bewerbungsschreiben." Nach Abschluß der Probearbeit folgt dann ein Beurteilungsgespräch, in dem beide Seiten offen diskutieren, ob der Mitarbeiter für den Betrieb in Frage kommt. Ist das der Fall, erhält der Neue einen Mitarbeiter als Paten, der die Einarbeitung für jedes Arbeitsgebiet übernimmt.

Was auf den ersten Blick sehr aufwendig klingt, hat handfeste Gründe. So ergab eine gemeinsame Umfrage vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln und dem Bonner Institut für Mittelstandsforschung, daß fast die Hälfte der Betriebe im produzierenden Gewerbe Neueinstellungen wegen überzogener Kündigungsvorschriften ablehnen. Der Gesetzgeber hat jetzt zwar den Kündigungsschutz ein wenig gelockert (das Gesetz gilt jetzt erst ab elf Mitarbeitern), doch die Angst vor Fehlgriffen ist nach wie vor groß. Auch in der Bäckerei Effenberger gibt es zusätzlich zur Probearbeit noch eine Probezeit von vier Wochen.

Die nutzt jedoch nur dann etwas, wenn beide Seiten konsequent sind. Wie Rechtsanwältin Antje Burmester von der Kölner Kanzlei Weber und Partner bestätigt, versäumen viele Betriebe die rechtzeitige Kündigung von Mitarbeitern, die sich in der Testphase nicht bewährt haben. Um mehr Sicherheit zu gewinnen, empfiehlt Dr. Wolf Hunold in seinem Buch ‚Führungstraining für Meister' (Sauer-Verlag Heidelberg, 221 Seiten, 31,50 Mark), sich bei dem neuen Mitarbeiter während der ersten Wochen und Monate im Betrieb laufend nach seiner Zufriedenheit mit der Arbeit und den Arbeitsbedingungen zu erkundigen. Sind Arbeitszuteilung und Auslastung richtig? Sind alle Hilfsmittel vorhanden? Sind Änderungen bei der Einarbeitung nötig?

Vor Ablauf der Probezeit sollte der Betriebsinhaber oder zuständige Meister die folgenden Fragen realistisch beantworten:

à Entspricht der Einarbeitungsfortschritt den betrieblichen Erwartungen?

à Wenn nein: Woran liegt es? Was muß nachgeholt oder verbessert werden?

à Sind sonstige Probleme im Zusammenhang mit dem Mitarbeiter aufgetreten?

Gerade der letzte Punkt birgt viel Zündstoff. Denn ein fachlich noch so guter Mitarbeiter nützt nur die Hälfte, wenn er nicht ins Team paßt. Für Wilhelm Numssen von der Vollkornbäckerei Effenberger ist die Fähigkeit zur Zusammenarbeit ebenfalls ein wichtiger Faktor. „Bei uns", so Numssen, „kümmert sich jeder auch um die anderen Bereiche und hilft, wenn es erforderlich ist." Ein derart offenes Betriebsklima führt natürlich oft zu Diskussionen, doch nur so kommen nach Ansicht des Bäcker- und Konditormeisters neue Ideen zustande. Herumgesprochen hat sich das gute und kreative Betriebsklima sowieso schon. So sind im vergangenen Jahr erstmals zwei Auszubildende auf den Betrieb zugekommen, die dort gerne den Bäckerberuf erlernen wollten. In Zeiten, wo die ganze Branche heftig über Nachwuchssorgen klagt, hat sich Effenberger natürlich über eine derartige Wertschätzung beim Nachwuchs gefreut und die beiden nach einigen Tagen Schnupperlehre auch eingestellt. Numssens Fazit aus der Erfahrung: „Wenn das Image des Betriebes stimmt, kommen die Fachkräfte von ganz alleine."

BU:

Ein gutes Betriebsklima zieht Mitarbeiter an: Die Hamburger Vollkornbäcker und Betriebswirte des Handwerks Thomas Effenberger (vorne rechts) und Wilhelm Numssen (daneben) mit den Mitarbeitern Jens Greiner-Gottschalk-Kludas und Marc Sörensen (ganz hinten) in der Backstube. Fotos: Klaus Hemme