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Pressespiegel

22.06.2021   Hamburger Morgenpost

Das sind Hamburgs Nachhaltigkeits-Pioniere

Thomas Effenberger – der Vollblut-Vollkornbäcker

5/2021   Nachdruck aus dem Nachhaltigkeitsheft Szene Hamburg

1.71 MB Mit Laib und Seele nachhaltig

Wenn es um Nachhaltigkeit geht, kann Anne und Thomas Effenberger niemand etwas erzählen. Sie sind längst Nachhaltigkeitsprofis. In der Vollkornbäckerei wird das Thema bereits seit Jahrzehnten aus einem Selbstverständnis heraus gelebt – ökologisch und ökonomisch ist das Hamburger Traditionsunternehmen damit vielen ein Vorbild

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Deutschlands erster elektrischer Marktwagen

Stolz auf Deutschlands ersten elektrischen Marktwagen: Anne Effenberger

Die Nachhaltigkeit fängt bei der Effen berger Vollkornbäckerei schon beim Brotbacken an: Lediglich Mehl, Sau erteig, Wasser, Meersalz und eine riesige Portion Liebe kommen in den Teig. Was so einfach klingt, bedarf allerdings größter Sorgfalt. Auf künstliche Zusatzstoffe wird gänzlich verzichtet. Für die Auswahl des Getreides werden höchste Kriterien festgelegt: „Wir wollen wissen, woher unsere Rohstoffe stammen, welche Produkte wir verarbeiten“, betont Inhaber Thomas Effenberger.
Darum arbeiten die Effenbergers schon seit vielen Jahren mit ausgewählten Biobauern aus der Region zusammen, von denen sie hundertprozentig wissen: Chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, Dünger und Gentechnik sind tabu. Das angelieferte Getreide wird erst im Grindelviertel frisch vermahlen. Zusammen mit viel Zeit – 27 Stunden lang darf der Teig ruhen – gibt es am Ende ein handwerklich perfektes und selbst für sensible Mägen bekömmliches Vollkornbrot. Dass das Brot bei den Kunden beliebt ist, wundert nicht. Schon seit den 1970ern backt Effenberger die Brote mit frisch geschrotetem Biovollkorn aus der Region und ist damit Norddeutschlands erste Biovollkornbäckerei. Doch nicht nur die Brote sind hier bio, auch Produktion und Auslieferung sollen möglichst nachhaltig sein. Nur ein Drittel der Energie vergleichbarer Betriebe wird verbraucht, dank Wärmerückgewinnung werden Betrieb und sechs Wohneinheiten mit Warmwasser versorgt, kondensierter Wasserdampf stellt die Grundlast der Heizung und alle Lieferfahrzeuge fahren mit Ökostrom. Das soll auch auf die Marktwagen ausgedehnt werden. Seit Mitte Februar 2021 ist der erste elektrische Marktwagen im Einsatz. Auch hier ist die Vollkornbäckerei Vorreiter: Deutschlandweit ist ihr Marktwagen der einzige, der emissionsfrei unterwegs ist.
Warum viele glauben, Nachhaltigkeit sei nicht wirtschaftlich, versteht Thomas Effenberger nicht. „Optimale Ressourcenverwertung bedingt unterm Strich weniger Kosten, auch für den Verbraucher“, sagt er. Beispiel Retouren: Weil die bereits einkalkuliert werden, zahlt der Verbraucher am Ende auch das, was weggeworfen wird. „Normalerweise hat ein Betrieb von vergleichbarer Größe zum Beispiel Retouren von 15 bis 40 Prozent, bei uns sind es unter 3 Prozent!“ Übrig gebliebenes Brot werde zudem nicht weggeschmissen. „Das wird sortiert, getrocknet und dann dem Vorteig des jeweiligen Brotes wieder zugesetzt. Und selbst das, was auf dem Boden zusammengefegt wird, landet nicht im Müll: „Das holt jemand ab und füttert seine Schweine damit.“
Was bereits nach einem perfekten Nachhaltigkeitskonzept klingt, reicht den Effenbergers nicht. Im April haben sie in Bibow eine 24.000 Quadratmeter große Blühwiese zum Schutz der Bienen angelegt. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann auf Combayn.de Blühpartner werden. „In den nächsten drei Jahren pflanzen wir auf einer Fläche von rund zehn 10 Hektar zudem 40-70.000 Bäume. Damit werden wir die gesamte CO2-Emission, die unser Betrieb einschließlich der Wege der Kunden imitiert, kompensieren“, verspricht Thomas Effenberger.
Und weil Nachhaltigkeit immer auch soziale Aspekte hat, freuen sich die Effenbergers besonders über eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit und setzen auch auf Fort- und vor allem Ausbildungen. „Kein Wunder, was man hier lernen kann, lernt man nicht überall“, betont denn auch Anne Effenberger das Fundament, das hier jedem Azubi mitgegeben wird. „Viele, die hier gelernt und gearbeitet haben, haben mittlerweile eigene Firmen auf der ganzen Welt“, sagt sie. Von den 16 bis 20 Mitarbeitern ist etwa ein Drittel in der Ausbildung. Gerade erst wurde ein neuer Auszubildender eingestellt, ein weiterer steht in den Startlöchern. Und der lernt dann ebenso nicht nur das perfekte Handwerk von der Pike auf, sondern auch Nachhaltigkeit